Während heute der Erhalt der Artenvielfalt als Verpflichtung angesehen wird, war früher das Ausrotten unerwünschter Konkurrenten, meist Beutegreifen, weit verbreitet. Dieser Tatsache „verdanken“ Bär, Luchs, Wolf und Fischotter ihre teils mehrhundertjährige und bis heute fortdauernde „Abwesenheit“ in der Eifel. Bestrebungen im Rahmen des geplanten Nationalparks Eifel zumindest den Luchs als öffentlichkeitswirksame Geste der Wiedergutmachung wieder anzusiedeln sollten nicht den Blick davon ablenken, dass mit der Wildkatze eine ursprüngliche Katzenart in der Eifel überlebt hat, und daß der Schutz dieser Art eine rechtlich verbindliche Verpflichtung ist.

Das Überleben von Arten ist seit jeher stark mit der Landschaft, den Bewirtschaftungsformen  und der Jagd in früheren Jahrhunderten verknüpft.  Die gravierenden Veränderungen der Landschaft in den letzten Jahrhunderten haben einen starken Einfluss auf die Wildkatzenpopulation ausgeübt. In welchen Rückzugsräumen sie in der Eifel letztendlich genau  überlebte ist allerdings unklar.

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbel­tiere in Deutsch­land wird die Wildkatze als stark gefähr­det, in NRW  als vom Aussterben bedroht einge­stuft.  Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777) wie sie heute auch in der Eifel vorkommt, streift hier wahrscheinlich seit dem Ende der letzten Eiszeit umher. Von der Schwesterart, der Falbkatze, der Stammform unserer Hauskatzen, trennten sich die Wege vor etwa 200.000 Jahren.

Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren dicken Fells kräftiger und größer als unsere Hauskatzen. Typische Merkmale der Wildkatze sind auch der breite wuchtige Kopf, der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und schwarzem stumpfem Ende, die fleischfarbene Nase und die verwaschen getigerte Zeichnung auf graubeigem Grund. Auch im Verhalten unterscheiden sich Wildkatze und Hauskatze offensichtlich erheblich voneinander. Eines der wesentlichen Merkmale der Hauskatze ist ihre hohe soziale Toleranz, während die Wildkatze eher solitär lebt.

In den Bundesländern Rhein­land-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt heute das westliche Ver­breitungs­zentrum der Wildkatze in Deutschland. Die Eifel beherbergt die wohl zahlenmäßig größte und wohl bedeutendste Wildkatzenpopulatio­n Deutschlands. Die Verbreitung der Art ist heute disjunkt, d.h. auf insel­artige Areale verteilt. Der Vernetzung dieser Verbreitungsräume durch Waldkorridore (Wildtierkorridorsystem, Grünbrücken) kommt neben dem Erhalt überlebensfähiger Teilpopulationen eine besondere Bedeutung zu. Hieraus ergibt sich für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rhein­land-Pfalz eine besonde­re Verantwor­tung. ­

Im Jahr 2000 konnte eine Verbreitungskarte der Wildkatze in der nordrhein-westfälische Eifel erstellt werden (gelb=Randbereiche; rot=besiedelter Raum; blau=Kernzone):

Copyright: Artenschutzprojekt Wildkatze NRW

Copyright: Artenschutzprojekt Wildkatze NRW

Heute, mehr als 15 Jahre später, hat die Wildkatze ihren Lebensraum in der Eifel weiter ausweiten können, so dass die damals gelben Gebiete sicherlich rot markiert wären und Teile des ehemals besiedelten Raums gelten heute als Kernzone.

Trotz der Unterschutzstellung der Wildkatze 1934 gibt es bisher weder ausreichendes Wissen über die Lebensraumansprüche der Art, noch gab es bis vor wenigen Jahren nennenswerte Bemühungen zur praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten. Erst iden letzten 15 Jhren wurde verstärkt versucht, über Artenschutzprojekte in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Thüringen sowie durch das Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen in NRW diese Lücke zu schließen. So konnten auch mehrere Telemetriestudien in der Eifel durchgeführt werden, deren Ergebnisse in einem Buch zusammengefasst wurden.

Die aktuelle Bestandshochrechnung der Wildkatze in der Nordeifel ergibt ca. 200-250 Tiere, für die gesamte Eifel dürfte die Zahl bei mehr als 1.000 Wildkatzen liegen. Besiedelt werden vor allem große zusammenhängende Waldgebiete. Ein Informationsnetz zur Sammlung von Totfunden, meist Verkehrsopfern, wurde aufgebaut. Der Vergleich der Totfunde mit historischem Material läßt den Schluß zu, daß es in der Eifel noch „reine“ Wildkatzenbestände gibt.

Die Wildkatzenpopulation in der Eifel ist insbesondere durch Zer­schneidung der Lebensräume durch Verkehrswege, direkte Verkehrsmortalität, verse­hentliche Totfänge und zunehmende Erschließung und Beunruhigung bzw. Nutzung der Wald- und Waldrandflächen gefährdet.

Ziel des „Artenschutzprojektes Wildkatze in NRW“ war es, gangbare Wege auf­zuzeigen, welche Strate­gien im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen verfolgt werden müssen, um die Wildkat­zenpopula­tionen zu stabili­sieren bzw. die Verbreitungsgebiete auszudeh­nen und zu vernetzen. In diesem Zusammenhang kommt der Wildkatze im Nationalpark Eifel eine besondere Bedeutung zu, da sie wie keine andere verbliebene Beutegreiferart, als Leitart für große Waldgebiete gelten kann. Die Aufklärung „betroffener“ Ziel­gruppen wie Jäger, Förster, Landwirte, Vertreter der Landespflegebehörden und Forstver­waltung, Landschaftsplaner etc. war daher eine weitere wichtige begleitende Maßnahme.

Bis vor wenigen Jahren stellte im grenznahen Raum das Schleifen der Westwallbunker als Problem für den Artenschutz dar. In einigen Bunkeranlagen wurden Wildkatzen nachgewiesen,  zum Teil zogen sie dort über Jahre ihre Jungen groß. Die Besiedlung höherer Lagen des Grenzgebietes scheint erst durch das Vorhandensein der Bunker, die auch in harten Wintern als Unterschlupf dienen können, möglich zu sein. Ziel muß es sein diese Anlagen, aber auch weitere für den Naturschutz relevante Anlagen zu erhalten.

Wildkatzen im Nationalpark Eifel

Im Jahr 2006 konnte durch Manfred Trinzen eine Mindestanzahl von 50 Wildkatzen im Nationalpark Eifel festgestellt werden.

Der Nationalpark liegt im Herzen der nordrhein-westfälischen Eifel und bietet seit jeher der Wildkatze einen guten Lebensraum. Die Wildkatze ist daher auch das Symboltier des Nationalpark-Tors Heimbach und des sogenannten „Wildnis-Trails“.

Hier können Sie einen kleinen Einblick in die Lebensweise der Wildkatzen im Nationalpark bekommen:

Dokumentation „Kleine Eifel-Tiger“ von Wieselfilm © 2007.