Aufwertung von Wildkatzenlebensräumen in der Nordeifel unter besonderer Berücksichtigung von Waldgebieten“ im Rahmen des BUND Projektes „Wildkatzensprung“

 Einleitung

Die Entwicklung der Wildkatzenpopulation in den letzten Jahrzehnten ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Bedingt durch besseren Schutz, Veränderungen im Lebensraum (Windwürfe) und gezielte Maßnahmen (Grünbrücken) hat sich die Art insbesondere in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich ausgebreitet. Dabei kam den Quellpopulationen wie Harz, Taunus und Eifel eine zentrale Rolle zu. Diese Populationen gilt es vor dem Hintergrund der immer weiteren anthropogenen Inanspruchnahme der Landschaft auch weiterhin zu stabilisieren.

Die Wildkatze ist eine Charakterart naturnaher, störungsarmer Waldgebiete. Sie reagiert sensibel auf die Fragmentierung von Waldlebensräumen und dient so als Indikator für den Grad der Vernetzung und der Naturnähe. Damit repräsentiert sie die Ansprüche vieler weiterer Arten und Lebensgemeinschaften, die an große und zusammenhängende Waldgebiete gebunden sind, wie Schwarzstorch, Baummarder, Bechsteinfledermaus oder Rothirsch (Erretkamps 2009). Da dieser Lebensraum WALD auch einer permanenten und flächigen Nutzung unterliegt (FORST), kommt der Form und Intensität der Bewirtschaftung eine Schlüsselrolle zu. Für die Wildkatze besonders bedeutsam ist also, dass ihr gesamter Lebensraum flächendeckend bewirtschaftet wird, landwirtschaftlich aber insbesondere forstwirtschaftlich. Der verträglichen Form der Nutzung kommt somit die entscheidende Bedeutung für den Fortbestand der Art zu.

Projektziel ist die Optimierung der Habitatstrukturen in der Nordeifel zur Unterstützung und Sicherung der Eifelpopulation als Source-Population der Wildkatze. Dies erscheint nur möglich durch die umfassende Erfassung von Gefährdungsursachen und die gezielte Bündelung von Maßnahmen. Dafür wurden alle verfügbaren Daten und Informationen zusammengetragen und gezielt ausgewertet (z.B. Entschneidungskonzept des LANUV, Bestandsdaten der Biologische Station, Bewirtschaftung im Forst, etc.). Von besonderer Bedeutung dabei war auch das Korridormodell des BUND für NRW (Klar 2010).

Das Projekt „Wildkatzensprung“ soll nicht in Konkurrenz treten zu SOMAKO und anderen an Arten und Schutzgebieten orientierten Konzepten (FFH Anhang II, Vogelschutzrichtlinie, Totholzkonzept etc.). Es stellt jedoch eine sinnvolle Ergänzung dar, indem gezielt Korridore erhalten, neue Lebensräume erschlossen, und punktuell wichtige Strukturen zur Jungenaufzucht der Wildkatze in immer noch von wirtschaftlichen Zwängen stark überformten Forsten geschaffen werden. Zudem werden Gefährdungsursachen gezielt gemindert oder beseitigt.

Übersicht über Maßnahmen zum Schutz der Wildkatze

Die Wildkatze nutzt in ihrem Streifgebiet verschiedene Strukturen als

  • Tagesversteck/Schlafplatz
  • Jagdrevier
  • Wurfplatz und zur Jungenaufzucht
  • Leitstruktur/Deckung

Diese Strukturen müssen in einem Wildkatzenlebensraum jedem Tier einfach, meist aber mehrfach in ausreichender Qualität zur Verfügung stehen.

In Folge der Artenschutzprojekte und Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen von Planungsprojekten sowie dem gestiegenen Interesse an der Art in den letzten Jahrzehnten sind eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung der Wildkatze vorgeschlagen und diskutiert worden (Fremuth et al. 2009, Herrmann 2005, Klar 2010, Götz & Simon 2013, MKUNLV 2007, MKUNLV 2012).

Zusammenstellung von allgemein empfohlenen Maßnahmen im Forst

tabelle-massnahmen

Zu 1.
Schaffung vielfältiger, struktur- und artenreicher Wälder/waldränder mit möglichst geringbeeinflussten natürlichen Prozessen (Naturnähe). Profitierende Arten sind neben der Wildkatze, jeweils typische Arten der Waldbiozönose. Naturnahe Wälder, in denen natürliche Prozesse weitgehend ungestört ablaufen, sind der optimale Lebensraum für die Wildkatze. In naturnahen struktur- und artenreichen Wäldern ist eine hohe ökologische Stabilität der für die Wildkatze wichtigen Faktoren (Nahrung, Deckung, Ruheplätze) vorhanden. Beispielhaft ist hier das Programm für langfristige ökologische Waldentwicklung (LÖWE) aus Niedersachsen. Durch vielfältige Bewirtschaftungskonzepte (naturnahe Waldwirtschaft, aber auch in kleinerem Maßstab Kahlschläge oder Niederwaldwirtschaft) kann die ökologische Vielfalt der Kulturlandschaft gesichert werden Erhalt von Sonderstrukturen wie stehende Wurzelteller, Baumstümpfe, Kleinstgewässer, Sumpflöcher, Kahlstellen, Hangrutschungen (nach Herrmann 2005)

Zu 2.
Erhalt von Baumgruppen oder Bäumen, die das Potenzial für große Faulhöhlen und waagerechte Starkäste haben. Profitierende Arten sind neben der Wildkatze Baummarder, Bilche, Großer und Kleiner Abendsegler, Große und Kleine Bartfledermaus, Mausohr, Braunes und Graues Langohr, Bechsteinfledermaus, Eulen, Spechte, Dohle, Totholzkäfer, soziale Bienen. Wildkatzen ziehen in Ermangelung geeigneter Großhöhlen ihre Jungen am Boden auf. Der Reproduktionserfolg ist am Boden eher gering, da Prädatoren sowie Bodennässe die Jungkatzen gefährden. Trockene Faulhöhlen in alten Bäumen liegen oberhalb der Reichweite von Füchsen und Wildschweinen. Althölzer weisen außerdem durch die vielen Kleinstunterschlüpfe, Verjüngung und Mast beste Bedingungen für die Beutetiere der Wildkatze auf (nach Herrmann 2005)

Zu 3.
Schaffung einer Vielzahl von strukturreichen Flächen (Geländemorphologie, Totholzreichtum, Mikrohabitate, Artenreichtum, kleinststandörtliche Diversität) Profitierende Arten Wildkatze, Baummarder, Wildschwein, Reh, Haselhuhn, Waldeidechse, Schlingnatter, Schmetterlinge. Begründung: Reich strukturierte Verjüngungsflächen sind die am stärksten bevorzugten Habitate der Wildkatze. Wenn Wildkatzen tagsüber jagen, tun sie dies nahezu ausschließlich in derartigen Beständen. Naturverjüngung wird gegenüber gepflanzten Beständen bevorzugt. Der besondere Wert ergibt sich durch das nahe Beieinander von kleinen Offenstellen und niedrigen Bäumen und Büschen, die für Kleinnager eine hervorragende Nahrungsbasis bieten, und des Angebots an deckungsreichen (Totholz, Wurzelteller), zeitweise besonnten Flächen. Maßnahmen: Belassen von hochgeklappten Wurzeltellern, Verzicht auf Grundräumung, Pflanzung und Zäunung (nach Herrmann 2005).

Zu 4.
Erhalt der Niederwaldrestbestände und Förderung der Niederwaldnutzung und anderer regionaler Bewirtschaftungsformen (Rott- und Schiffelwirtschaft). Profitierende Arten Wildkatze, Haselmaus, Haselhuhn, Zauneidechse, Waldeidechse, Hirschkäfer. Begründung: Wildkatzen haben um 1900 ihre letzten Rückzugsräume u.a. in Niederwäldern gehabt. Aus der Zeit intensiver Niederwaldnutzung wird neben den Vorkommen des Haselhuhnes insbesondere das gute Vorkommen der Wildkatze hervorgehoben. Niederwälder sind gute Kleinsäugerhabitate (Nahrungsangebot). Sie bieten der Wildkatze bevorzugte, besonnte Bereiche und sind in der Regel störungsarm. Maßnahmen: “Auf den Stock setzen” durchgewachsener Niederwälder in unterschiedlichen Varianten (z. B. mit und ohne Verbleib der gefällten Bäume, mit und ohne Überhälter, mit und ohne Ringeln – stehendes Totholz). Reaktivierung der traditionellen Brennholznutzung als Wirtschaftsziel (nach Herrmann 2005).

Zu 5.
Erhaltung von möglichst ungestörten Wiesen und Weiden innerhalb von Waldgebieten und in Waldrandlagen. Profitierende Arten: Wildkatze, Dachs, Rotwild, Reh, Schmetterlinge, Heuschrecken. Begründung Wildkatzen jagen bevorzugt auf waldnahen Wiesenflächen Wühlmäuse. In stark durchmischten Waldgebieten haben die Wildkatzen die kleinsten Streifgebiete, dies spricht für gute Qualität dieses Lebensraums. Maßnahmen: Erhalt von Wiesen und natürlichen Blößen, Beseitigung von Aufforstungen in Wiesentälern zur Verbesserung des Strukturreichtums und des Nahrungsangebotes (nach Herrmann 2005)

Zu 6.
Verzicht auf Baumanpflanzungen und ggf. Beseitigung von Waldbäumen an großen Felsen, ausgeprägten Kuppen, in Geröllzonen und an Steilabstürzen in sonnigen Lagen. Die Bevorzugung der Wildkatze von sonnenexponierten Liegeplätzen ist bekannt. Die Jungtiere sind auf trockene Plätze angewiesen. Profitierende Arten: Wildkatze, Uhu, Wanderfalke, Waldeidechse, Mauereidechse, Schlingnatter, Graslilie, Wacholder (nach Herrmann 2005). Hier kann der Argumentation von Herrmann nur bedingt gefolgt werden. Aufgrund der vom Uhu  für Jungkatzen ausgehenden Gefährdung (Predation) wird das Freistellen von Steinbrüchen und ähnlichen Strukturen die dem Uhu als Brutplatz dienen können nicht empfohlen!

Zu 7.
Forstliche Erschließung des Waldes in bisher schwer zugänglichen Bereichen nicht erhöhen und Wegenetz reduzieren. Wildruhe- und Naturentwicklungszonen schaffen, in denen anthropogene Störungen minimal sind. Profitierende Arten: Wildkatze, Rotwild. Wildkatzen sind tag- und nachtaktiv. Telemetrische Untersuchungen zeigen, dass Wildkatzen in nah an Wegen gelegenen, offenen Waldbeständen tagsüber nicht jagen. Sie bevorzugen dichte, undurchdringliche und ungestörte Bestände. Jagdausübung ist die häufigste Störquelle in besucherärmeren Waldgebieten. Erschließung z.B. durch Windparks oder Freizeitanlagen im Wald bedingt eine höhere Frequenz von Störungen. Maßnahmen: Überprüfung des Wegenetzes mit dem Ziel der Reduktion. Rückbau bzw. Nichtinstandsetzung entbehrlicher Wege. Erstellen und Überarbeitung von Besucherlenkungskonzepten in Gebieten mit starkem Besucherverkehr (nach Herrmann 2004).

Zu 8.
Wiedervernässung von meliorierten Waldstandorten und Begründung von naturnahen Wäldern. Profitierende Arten: Wildkatze, Baummarder, Zwergmaus, Waldschnepfe, Feuersalamander. Begründung:  Fließgewässer und Säume von Feuchtbiotopen zählen zu den am häufigsten aufgesuchten Wildkatzenhabitaten. Gründe sind im Nahrungsreichtum (Kleinsäuger, uferbewohnende Säuger und Vögel), in der geringen Störungsfrequenz (Sümpfe) und in der stark oberirdischen Lebensweise von Kleinsäugern aufgrund des hohen Wasserstandes zu sehen. Das Nahrungsangebot ist hier im Frühjahr besonders groß. Bei Wanderungen fungieren Gewässer für Wildkatzen als Leitstrukturen (nach Herrmann 2004). Neueste Telemetrieergebnisse aus der Nordeifel (Trinzen in Vorbereitung) weisen auf die hohe Bedeutung von Teichen insbesondere während der Ranz hin (Treffpunkt, Kommunikation?)

Zu 9.
Vermeidung von Verlusten und erheblichen Beeinträchtigungen durch die forstliche Nutzung, insbesondere während der Aufzuchtzeit siehe Tabelle im Anhang). Wildkatzenmütter lassen ihre Jungtiere unbeaufsichtigt, auch wenn in der Nähe des Wurfortes forstliche Arbeiten durchgeführt werden (März bis Juli). Es wurden Fälle dokumentiert, bei denen Alt- und Jungtiere beim Umsetzen von Holzpoltern zerquetscht oder von zurückklappenden Wurzeltellern erschlagen. wurden. Zur Käferbekämpfung  an ungeschältem Langholz eingesetzte Pyrethroide können Vergiftungen bzw. Todesfälle zur Folge haben, da Wildkatzen diese aufgrund eines Enzymmangels nicht abbauen können. Generell gilt: Vermeidung mehrstündiger Störungen während der Aufzuchtphase in Bereichen, in denen Gehecke festgestellt wurden, insbesondere auf Windwurfflächen und in allen Dickungen zwischen 5. und 20. Jahr. Stehen lassen von Wurzeltellern. Schäfte zur Liegesicherheit an Wurzeltellern belassen.  Ausschließlich Einschlag im Herbst/Winter, vertragliche Verpflichtung der Käufer zur schnellen Abholung des Holzes. Holzlager möglichst fern vom Wald und Gewässern einrichten. Abfuhr des Holzes “just in time”; generelle Ruhe im Wald in der Zeit der Jungenaufzucht. Bei Geheckfunden: Einrichten einer Ruhezone von 200 Metern Radius (nach Herrmann 2004, erretkamps 2009).

Zu 10.
Soweit Zäunung erforderlich ist, Verwendung von Hordengattern. Profitierende Arten: Wildkatze, Fuchs, Baummarder, Rauhfußhühner. Begründung Wildkatzen und andere Säugetiere klettern über Forstschutzzäune. Inzwischen wurden zahlreiche Fälle belegt, in denen sich Wildkatzen und andere Arten in den Verknotungen mit den Zehen verhakten oder abrutschten und „einfädelten“ und qualvoll zugrunde gingen. Maßnahmen: Reduktion des Wildbestandes so weit, dass Zäune wirtschaftlich entbehrlich sind. Entfernung aller nicht mehr funktionstüchtigen Forstschutzzäune. Ausschließliche Verwendung von Hordengattern bei erforderlichen Neubauten  Problem:  Privatwaldbesitzer kommen ihrer Verpflichtung, die Zäune zu entfernen, nicht nach, auch bei der staatlichen Forstverwaltung besteht ein Umsetzungsdefizit! In vielen Revieren ist die Wilddichte so hoch, dass die forstlichen Ziele nicht ohne Zaun erreicht werden können, insbesondere bei gepflanzten Kirschen und Eichen (nach Herrmann 2004)

Zu 11.
Ziel ist es eine ausreichende Anzahl von Ersatzunterschlüpfen in Gebieten zur Verfügung stellen, in denen es an geeigneten natürlichen Höhlen mangelt (Fichten). Profitierende Arten Wildkatze, Baummarder, Fledermäuse, Eulen. Begründung: Derzeit stehen in genutzten Wirtschaftswäldern wenig oder keine geeigneten Wurfhöhlen zur Verfügung. Wichtig sind trockene und vor Fuchs und Wildschwein sichere Wurfplätze. Künstlich geschaffene Unterschlüpfe können für einen Übergangszeitraum einen Ersatz bieten. Geheckbeobachtungen wurden bisher an folgenden anthropogen bedingten Strukturen gemacht: selten oder nicht benutzte Hochsitze, in Wällen aus Wurzelstubben, in Holzpoltern, an Bunkern und verlassenen Gebäuden/Schuppen in Waldnähe. Der Aufzuchterfolg von Wildkatzen ist in starkem Maße von der Qualität der Wurf- und Aufzuchtplätze abhängig.  Insbesondere der Erhalt alter Bunkeranlagen im Wald vor Beseitigung oder Verschluss ist in der Nordeifel eine sinnvolle Maßnahme. Speziell angelegte permanente Holzpolter können in strukturarmen Gebieten die Überlebensrate von Gehecken deutlich verbessern.

 

 Kriterien für die Auswahl der Gebiete für die Maßnahmen

 Verbreitungsschwerpunkte/Kernlebensräume der Wildkatze

Die Wildkatze hat in NRW ihr Hauptverbreitungsgebiet in der Nordeifel. Im Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen wurde der Zustand der Verbreitung um 2000 dokumentiert.

Copyright: Artenschutzprojekt Wildkatze NRW

Copyright: Artenschutzprojekt Wildkatze NRW

 Korridore (auch grenzüberschreitende) der Wildkatze und Konfliktpunkte

Die Karte mit den Korridoren und Konfliktpunkten der Wildkatze verdeutlicht die große Bedeutung der Waldkomplexe im südlichen Bereich zu RLP und westlich nach Belgien. Hier verlaufen die wesentlichen Hauptkorridore, die einen Populationsverbund mit den Nachbarländern gewährleisten. Eine gute Durchgängigkeit dieser Korridore ist daher von zentraler Bedeutung.

Copyright: BUND/KLAR 2009

Copyright: BUND/KLAR 2010

Die größte Barriererwirkung haben Straßen: „In Nordrhein-Westfalen ist der Hauptkonflikt mit den Wildkatzenkorridoren die Zerschneidung durch Straßen … Besonders Straßen mit mehr als 10.000 Kfz/24h stellen sowohl eine starke Barriere als auch ein Mortalitätsrisiko für Wildkatzen dar. Bereits mäßig befahrene Straßen mit wenigen tausend Kfz/24h können eine Barrierewirkung haben (Klar et al. 2009). Ein geringes Mortalitätsrisiko gibt es selbst an selten befahrenen Kreisstraßen. Der wichtigste Nord-Süd Korridor wird zwischen Blankenheim und Schmidtheim von der stark befahrenen B51 geschnitten. … Die B266 schneidet denselben Korridor weiter nördlich zwischen Gemünd und Kall, auch hier wäre eine Maßnahme für Wildkatzen und andere Tierarten dringlich. Die A1 schneidet die Ost-West-Korridore im Bereich zwischen Zingsheim und Engelgau. Bei der Weiterführung der Trasse Richtung Süden besteht die Gefahr dass weitere Ost-West Verbindungen zerschnitten werden. Die Verbindungskorridore nach Belgien werden von der B258 bei Roetgen zerschnitten. Die A44/E40 scheidet den Korridor entlang der Grenze auf Belgischer Seite“ (Klar 2009).

Bedeutsame Bereiche für die Wildkatze im Entschneidungskonzept (LANUV)

Im Entschneidungskonzept der LANUV wird die Situation im Eifelraum folgendermaßen dargestellt (MKUNLV 2012):

Teilraum 1: Eifel, südliche Kölner Bucht, Ville. Der Teilraum hat mit 3 092 km² einen Anteil von ca. 9 % an der Gesamtfläche von Nordrhein-Westfalen. Der Anteil an Wald liegt in diesem Raum bei 32 % und verteilt sich weitgehend auf die Eifel und die Ville mit Kottenforst. Der Anteil an Laub-Mischwald liegt bei ca. 17 %. Der Anteil an Schutzgebieten (NSG/FFH/VS) liegt bei ca. 12 %. Die Eifel mit ihrem hohen Waldanteil und geringer Besiedlungsdichte ist Lebensraum für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Sie ist Lebensraum u. a. der Wildkatze mit der höchsten Populationsdichte in NRW. Die Wildkatze wandert großräumig und hat ihre Streifgebiete von und nach Belgien, Rheinland-Pfalz und bis nach Frankreich. Weitgehend flächendeckend gehören die Waldgebiete und strukturreichen Offenlandflächen zu den Kern- und besiedelten Bereichen der Wildkatze. … Wanderkorridore nach Rheinland-Pfalz, Belgien und in den deutsch-niederländischen Grenzraum … dokumentieren großräumige und länderübergreifende Verbundkorridore.

Die Eifel und die Übergangsbereiche zur östlich gelegenen südlichen Kölner Bucht mit der Zülpicher Börde wird durch eine Vielzahl an Straßen geschnitten, über die mehr als 3 000 Kfz/24 h abfließen. Insbesondere die Straßenabschnitte innerhalb der Wälder und solcher, die den Bewegungsraum der Ziel- und weiterer Arten insbesondere zwischen den großen Wäldern schneiden, gefährden Verbundfunktionen. Über die A 1 bei Engelgau/Tondorf ist die im Rahmen des Konjunkturpaketes 2009 vorgesehene Grünbrücke inzwischen gebaut, die u. a. für die Wildkatze Lebensräume verbindet. Es werden für die beiden Hauptkorridore vom Münstereifeler Wald bis zur belgischen Grenze nördlich und südlich der B51 in der Karte darüber hinaus aber noch 3 weitere geeignete (d.h. erforderliche) Querungshilfen identifiziert. Eine sehr gute Durchlässigkeit ist derzeit nicht gegeben, es besteht Optimierungsbedarf. Ein weiterer Schwerpunktbereich sind die Waldgebiete südlich angrenzend an den Nationalpark (Schleiden, Hellenthal), die einen weiteren Korridor nach Belgien hinein bilden.

lanuv-entschneidung-eifel

Copyright: LANUV 2012

  1. Auswahl von Maßnahmenkomplexen

 Die im Folgenden beschriebenen fünf Maßnahmenkomplexe wurden als prioritär identifiziert und eignen sich für die Umsetzung im Rahmen des Projekts. Es handelt sich dabei um Bündelung von Einzelmaßnahmen, die (1) hinsichtlich ihrer Wertigkeit für die Wildkatze als besonders hoch einzustufen sind, (2) in Bereichen angesiedelt sind, die für die Wildkatze von zentraler Bedeutung sind (3) nachhaltige Wirkung haben, (4) preiswert und (5) ohne größeren zusätzlichen Planungs-, Genehmigungs- und Verwaltungsaufwand umzusetzen sind.

Die fünf Maßnahmen werden konzentriert in drei Teilgebieten durchgeführt, wobei Privatwaldflächen und Gemeindeflächen bevorzugt werden.

  1. Allgemeine Übersicht der Maßnahmenkomplexe der drei Teilgebieten

Teilgebiet A: Kernlebensräume der Wildkatze mit Bunkeranlagen und Panzersperren im Grenzraum zu Belgien

  • weiträumige „Beruhigung“ der Anlagen und Vernetzung (Panzersperren)
  • Vermeidung von Verlusten (Jungtiere) durch angepasste Maßnahmen (Polter)
  • Vermeidung von Störungen durch Besucherlenkung und Befristung von Holzernte (Selbstwerber)
  • Rückbau von Knotengitterzäunen und Erstellen von Hordengattern

Teilgebiet B. Zentrale Waldbereiche und angrenzendes Offenland im Kernlebensraum der WK

  • Entwicklung von Waldrändern und Waldinnensäumen
  • Entwicklung von Bachläufen und Bachtälern
  • Aufwertung von Offenlandbereichen durch Pflanzungen
  • Ausweisung von Totholzinseln und Höhlenbäumen
  • Anlage von dauerhaften Holzpoltern und Ausbringen von „Wurfboxen“
  • Vermeidung von Verlusten (Jungtiere) durch angepasste Maßnahmen (Polter)
  • Vermeidung von Störungen durch Besucherlenkung und Befristung von Holzernte (Selbstwerber)
  • Rückbau von Knotengitterzäunen und Erstellen von Hordengattern
  • Optimierung einer Querungsmöglichkeit (B51)

Teilgebiet C: Umfeld Grünbrücke A1

  • weiträumige „Beruhigung“ der Grünbrücke/Querungshilfe und Vernetzung
  • Vermeidung von Verlusten (Jungtiere) durch angepasste Maßnahmen (Polter)
  • Vermeidung von Störungen durch Besucherlenkung
  • Ausweisung von Totholzinseln und Höhlenbäumen
  • Anlage von dauerhaften Holzpoltern