Dass reine Europäische Wildkatzen im stadtnahen Leiziger Auwald vorkommen war bis 2015 noch völlig neu. Erst durch eine Untersuchung des BUND Sachsen, im Rahmen des Projekts „Wildkatzensprung“, wurden vermehrte Hinweise auf Wildkatze gesammelt. Dennoch, bei einer Veranstaltung im Juni 2015 erhielt der BUND Sachsen den Hinweis, dass ein genetischer Wildkatzennachweis im Leipziger Auwald schon vom Februar 2014 vorliegt. Die Genetik belegte, dass es sich dabei um eine reine Wildkatze der mitteldeutschen Population handelt. Der BUND Sachsen recherchierte weiter und konnte schließlich den ehemaligen Besitzer des Tieres, Herrn Schulz, erreichen. Dieser teilte dem BUND Sachsen folgende Geschichte mit:

Vor dem schweren Hochwasser 2013 hat eine Dame bei Gundorf (Leipzig) an der Waldgrenze zum NSG Burgaue ein Katzengeheck mit 3 Jungen gefunden. Zwei Kitten waren bereits tot und das dritte Tier war stark geschwächt. Sie brachte das Jungtier (ca. 1 Woche alt) zu verschiedenen Tierärzten und äußerte auch den Verdacht, es handele sich um eine Wildkatze. Dieser Verdacht wurde jedoch von allen Tierärzten ausgeschlossen und so nahm sie das kleine Tier als Hauskatze wieder mit nach Hause. Herr Schulz, ein Freund der Dame, nahm sich daraufhin dem Tier an und versuchte das Tier aufzuziehen. Der Kater wurde wieder kräftiger und entwickelte sich. Sein Verhalten war aber alles andere als normal für eine Hauskatze. Er ließ sich nicht richtig anfassen und zeigte aggressives Verhalten.

Der Kater wurde irgendwann so aggressiv und verhaltensgestört, dass er sich selbst den Schwanz abbiss! Da die Aggressivität nicht abnahm und das Tier sich selbst immer stärker verletzte, wurde es nach langer Behandlung bei Tierärzten (die immer noch keinen Verdacht schöpften) eingeschläfert.

Die Haustierärztin, die das Tier letztendlich einschläferte, äußerte dann erstmalig den Verdacht, dass es sich um eine Wildkatze handeln könnte und veranlasste die genetische Analyse beim Senckenberg Institut Gelnhausen.

Hätte man sofort erkannt, dass es sich um eine Wildkatze gehandelt hat, wäre dem Tier viel Leid erspart geblieben. Vielleicht hätte es sogar eine Zukunft in der freien Wildbahn gehabt.

 

Hier finden Sie auch einen Artikel, der im Deutschen Tierärzteblatt erschien und dabei helfen soll, dass Veterinäre Wildkatze schneller erkennen können. Dies und auch den folgenden Flyer können Sie gerne erhalten und bei Ihrem Tierarzt anfragen, ob Sie diese dort auslegen können. Auch der Retscheider Hof bietet extra für die Tierärzte Veranstaltungen zur Unterscheidung von Haus- und Wildkatze an.

Vielleicht hilft dies, in Zukunft solche Schicksale wie das von Oskar zu verhindern.