oder die unglaubliche Geschichte eines kleinen Wildkaters

Anfang Mai 2016 irgendwo im Harz. Ein Jäger findet zwei junge Kätzchen im Wald. Eines der Kätzchen ist bereits tot, eines überlebt.  Er nimmt es mit. Einen oder drei Tage später – niemand weiß es mehr oder will sich erinnern, landen es in einer Wildtierauffangstation irgendwo in  Niedersachsen – warum auch immer. Das Tier ist in sehr schlechtem Zustand.

Dann kommen den Betreuern doch leise Zweifel, ob es sich bei dem noch blinden Jungen vielleicht um eine Wildkatze handeln könnte. Experten werden befragt und Bilder werden verschickt. Keiner hat Erfahrung, was Aussehen und Verhalten von so kleinen Wildkatzen betrifft. Die mehrheitliche Meinung trotzdem: Hauskatze.

Copyright: Manfred TrinzenDoch das Kitten hat Glück im Unglück. Warum auch immer gelangt ein Bild auch zum Autor dieses kleinen Berichts (dank Stefanie). Und dem ist offensichtlich: Es ist eine Wildkatze.

Auch wenn es niemand zunächst so recht glauben kann, der kleine Kater bekommt dennoch ab jetzt eine Sonderbehandlung. Er wird separat gehalten um eine Ansteckung mit Krankheiten zu verhindern, bekommt Katzenaufzuchtmilch und leider einige unnütze Behandlungen vom Tierarzt. Alles soll getan werden um ihm später, wenn er denn wirklich ein Wildkater werden sollte, wieder in die Freiheit zu entlassen.

Copyright: Manfred TrinzenDer gesundheitliche Zustand des kleinen Kuders stabilisiert sich in Folge. Als er die Augen zum ersten Mal aufmacht sieht er seine Pflegerin und hört menschliche Stimmen. Das ist jetzt seine Welt. Er ist noch klein und braucht „Nestwärme“. Leider hat er keine andere Wahl, er muss den Kontakt zu Menschen suchen. Die Folge daraus: Wenn er allein gelassen wird fordert er den Kontakt lautstark ein –  er schreit und schreit und schreit ….

Nach einigen Wochen ist der kleine Kuder endlich transportfähig und es beginnt eine lange Reise in die Freiheit. Zunächst geht es in eine Wildtierauffangstation in NRW, von dort umgehend weiter zu einer Pflegefamilie in der Eifel: Der Kuder “Mogli” wird jetzt Burgherr.  Die beiden „Pflegeeltern“ haben Erfahrung mit jungen Wildkatzen.

Trotzdem läßt das Verhalten des Kittens auch hier zunächst wieder Zweifel daran aufkommen, ob er wirklich eine echte Wildkatze ist. Mogli ist einfach zu zutraulich. Sein wahrer Charakter als Draufgänger zeigt sich dann allerdings in der Art, wie er die Wohnung nutzt. Nichts ist vor ihm sicher und Mogli hat das ein oder andere mal auch Verletzungspech. Trotzdem, entwickelt er sich prächtig und wird auch zunehmend vorsichtiger, insbesondere Fremden gegenüber.

Der Garten und  die Gebäude von Moglis  Burg werden zwar gerade mit Unterstützung der NRW Stiftung neu gestaltet, aber die Umgebung mit den vielen Strassen ist für einen kleinen Wildkater viel zu gefährlich. Und Mogli muss in die Freiheit, das hat selbst ein Professor im fernen Moskau nochmal bestätigt.

Also ist für den jungen Kuder erneut an der Zeit, umzuziehen:diesmal in ein Auswilderungsgehege weit weg von Hauptstrassen. Mogli ist hier nicht der erste Wildkuder, der hier auf ein Leben in Freiheit vorbereitet wird. Er lernt Mäuse zu fangen und alles was er später noch brauchen wird. Aber seine Entäuschung, plötzlich allein und ohne vertrauten Personen im Wald zu sitzen, ist ihm anzumerken. Von einer Stunde zur anderen lehnt er jeden Kontakt zu Menschen ab. Für Mogli ist die Situation sehr stressig, sie gehört aber zur Vorbereitung der  Auswilderung unverzichtbar dazu.

Nach drei Wochen Eingewöhnung im neuen Gehege wird es für Mogli ernst. Die Tür geht auf und bleibt auf –  Mogli ist nun frei, wenn er will. Sein artgerechte Leben in natürlicher Umgebung kann nun beginnen. Und der junge Kuder macht alles richtig und lässt es langsam angehen. Um ihm die Umstellung zu erleichtern bekommt er abends noch eine Futterration im Gehege. Die holt er sich Mogli auch ab, man kann ja nie wissen.

Hier ein Video von Mogli nach der Öffnung seiner Gehegetür.

Dann ist er über eine Woche unterwegs, kommt eines Abends wieder, als wäre er nie weg gewesen. Heute wissen wir:  er wohnt irgendwo oben im Wald.

Irgendwann wird Mogli gar nicht mehr ins Gehege zurückkommen, warum auch immer. Viel Glück, Mogli!